Schnittmuster zwischen zwei Größen anpassen (Grading)

Grading leicht gemacht: Schnittmuster individuell anpassen

 

Nicht jeder Körper entspricht exakt einer Konfektionsgröße. Vielleicht entspricht Ihr Brustumfang Größe 38, Ihre Hüfte aber Größe 42. In diesem Fall müssen Sie sich nicht für eine einzige Größe entscheiden.

Durch das Anpassen des Schnittmusters zwischen verschiedenen Größen („Grading“) können Sie das Schnittmuster auf Ihre individuellen Maße abstimmen. Das Ergebnis ist eine bessere Passform und weniger Änderungsaufwand am fertig genähten Kleidungsstück.

 

Schritt 1: Größenunterschied ermitteln

Vergleichen Sie Ihre Körpermaße mit der Maßtabelle des Schnittmusters. Messen Sie insbesondere:

  • Brustumfang
  • Taillenumfang
  • Hüftumfang

Notieren Sie die Größen, die Ihren einzelnen Maßen entsprechen. So kann beispielsweise die Brust einer Größe 38 und die Hüfte einer Größe 42 entsprechen.

 

Schritt 2: Wichtige Körperlinien finden

Suchen Sie auf dem Schnittmuster nach den Markierungen für:

  • Brustlinie
  • Taillenlinie
  • Hüftlinie

Diese sind häufig durch einen kleinen Kreis mit Kreuz gekennzeichnet.

 

Schritt 3: Gewünschte Größen markieren

Markieren Sie an jeder Körperlinie die passende Größe.

Beispiel:

  • Brust: Größe 38
  • Taille: Größe 40
  • Hüfte: Größe 42

Zeichnen Sie die entsprechenden Punkte auf dem Schnittmuster an

 

Schritt 4: Neue Schnittlinie zeichnen

Verbinden Sie die markierten Punkte mit einer gleichmäßigen Linie.

Hilfreiche Werkzeuge:

  • Kurvenlineal
  • Französische Kurve
  • Flexibles Schneiderlineal

Achten Sie darauf, dass die Übergänge weich und harmonisch verlaufen. Besonders im Taillen- und Hüftbereich entstehen häufig geschwungene Linien.

Tipp: Vorder- und Rückenteil vergleichen

Damit die Seitennähte später exakt zusammenpassen:

  1. Vorderteil anpassen.
  2. Vorder- und Rückenteil rechts auf rechts aufeinanderlegen.
  3. Kerben und Größenlinien aufeinander ausrichten.
  4. Neue Seitennaht auf das Rückenteil übertragen.

So stimmen beide Schnittteile später perfekt überein.

 

Schritt 5: Weitere Schnittteile anpassen

Vergessen Sie nicht, auch zugehörige Schnittteile zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen:

  • Belege
  • Taschen
  • Besätze
  • Futterteile

Diese müssen zu den geänderten Schnittteilen passen.

 

Schritt 6: Passform testen

Bevor Sie Ihren eigentlichen Stoff zuschneiden, empfiehlt sich ein Probemodell aus Nesselstoff oder günstiger Baumwolle.

Prüfen Sie:

  • Sitz an Brust, Taille und Hüfte
  • Bewegungsfreiheit
  • Linienführung und Silhouette

Nehmen Sie bei Bedarf letzte Anpassungen vor, bevor Sie Ihren Originalstoff zuschneiden.

 

Hinweis

Einfache Schnittmuster lassen sich meist leichter zwischen Größen anpassen als Modelle mit vielen Schnittteilen oder komplexen Details. Wenn Sie noch keine Erfahrung mit dem Grading haben, beginnen Sie am besten mit einem einfachen Schnittmuster